Der Schatz aus dem See

Zu Themen aus dem Physikunterricht in der Sekundar- und Mittelschule kann ich mich kaum mehr erinnern. Doch die Begeisterung eines unserer Lehrer für die vielfältige «Anomalie des Wassers» bewirkte bei mir eine nachhaltige Wirkung. Es gelang ihm beispielsweise, uns das lange Kochen einer Pfanne voller Wasser mit der hohen spezifischen Wärmekapazität des eigenartigen Stoffes zu erklären.
Das komplett erneuerte «Bürgenstock Resort Lake Lucerne», das nach neun Jahren Planungs- und Bauzeit am 28. August 2017 seine Tore fürs Publikum öffnet, war Anlass, das aus Schultagen ins Langzeitgedächtnis abgelegte Allgemeinwissen in mir wieder aufblitzen zu lassen. Nicht von ungefähr ist «der Bürgenstock» ein Ort, wo Luxus zelebriert wird: Zwei Tennishallen, zwölf Restaurants und Bars, ein Golfplatz, eine Eisbahn, ein Kino und vieles mehr entsteht hier. «Schon US-Schauspielerin Audrey Hepburn spielte in der 50ern dort Golf? Was kümmert es mich? Das ist eh nicht meine Liga», war bis vor kurzem meine Einstellung zu diesem Megaprojekt, bis ich eine Einladung erhielt, im Vorfeld der Eröffnung die fast fertige Baustelle zu besichtigen.

Wärmepumpen-Technologie
Bei dieser Gelegenheit wurde das Energiekonzept der weitläufigen Hotelanlage erklärt. Dabei wird auf elegante Weise eine 130-jährige Tradition mit neuester Technik verknüpft. Denn seit 1888 wird das Wasser des Vierwaldstättersees vor Kehrsiten auf den Bürgenstock gepumpt. Das Prinzip: Zwei Wärmepumpen gewinnen die Energie aus dem Seewasser, die zum Heizen der vielen Gebäude genutzt wird. Eine Fernleitung ab Energiezentrale versorgt das ganze Resort mit Wärme. Rund 80% des Wärmebedarfs kann aus dem Seewasser gewonnen werden; Flüssiggas dient zur Spitzenabdeckung im Hochwinter. Hinzu kommt, dass das Seewasser über einen Plattenwärmetauscher das Kühlwasser des gesamten Resorts kühlt.

Ungenutztes Potenzial
Nun gehört zu einem Prestigeprojekt auch eine zukunftsweisende Energieversorgung; zudem ist das Hotelresort für diese Energielösung bestens positioniert. Doch ist es begrüssenswert, dass man hier eine Chance am Schopf packt. Vielen ist es zu wenig bewusst, dass unsere Seen nicht nur Lebensraum für zahlreiche Tierarten und letztlich auch für den Menschen sind, sondern regelrechte Wärmeenergiespeicher. Die Autoren des im 2014 publizierten «Weissbuchs Fernwärme Schweiz» loteten das theoretische Potenzial der erneuerbaren Energie aus, welche für die Nutzung der Nah- und Fernwärmeversorgung in Frage kommen könnte. Darin steht der bemerkenswerte Satz: «Erstaunlich ist das grosse Wärmepotenzial, das bei den Seen ausgemacht werden konnte.» Der Komfortwärmebedarf in Siedlungen mit hohen Wärmedichten («Städte») wird auf beachtliche 17 TWh im Jahr veranschlagt, wovon Seewasser als Energiequelle hierzu fast einen Drittel beisteuern könnte. Eigentlich schade, mussten wir so lange auf die Hebung dieses Schatzes warten.

1 Antwort

  1. cesare
    Unglaublich was für ein Energiepotential in unseren Seen brach liegt...

Einen Kommentar schreiben