Plan «Grünes Marokko»

Reisen verändert die Sicht auf die Welt. Ein mehrtägiges Wandern mit Übernachten unter Zelten im südlichen Marokko war auch eine Annäherung an eine vergangene Lebensweise: Maultiere waren und sind in der Lage 150 kg Gepäck zu tragen, nicht mehr. Holzreste in der Wüste dienten als Brennmaterial. Das Mitführen von Butangas-Flaschen erleichterte den Just-in-Time-Mahlzeitenservice für uns Touristen. Die kulinarische Auswahl bot u.a. Gemüse-Ratatouille, Couscous und Lammfleisch im Tajine, ein aus Lehm gebranntes Schmorgefäss mit konischem Deckel, und immer frische Orangen und Mandarinen als Zwischenverpflegung.
Marokko verfügt über viel agrarisches Potenzial. Mit 39% aller Beschäftigten (rund 4 Mio.) und mit einem Anteil von 15 bis 20% am nationalen BIP ist der Agrarsektor für dieses Land noch weit wichtiger als für die Schweiz. Noch gibt es viel Armut in ruralen Zonen und manche Landbewohner versuchen ihr Glück in den Städten. Das Land startete 2008 einen ambitiösen «Plan Maroc Vert» (PMV). mit dem Ziel, den Agrarsektor zu dynamisieren. Der Plan hat eine ökonomische und eine soziale Dimension. Zum einen zielt man auf internationale Wettbewerbsfähigkeit, d.h. grössere Betriebe sollen die Exporte (z.B. Fisch, Gemüse, Zitrusfrüchte) bis 2020 verdoppeln.
Andererseits gilt es, die Armut der Kleinbauern zu bekämpfen. So soll beispielsweise die Tropfbewässerung massiv ausgeweitet und Landwirte zum Umstieg auf Spezialkulturen ermuntert werden. Zur lokalen Umsetzung braucht es Vernetzung (Kooperativen), Zugang zur Berufsbildung und – viel Zeit.
Der PMV sorgt für Aufbruchstimmung in einem Sektor, der bislang kaum staatlich gestützt wurde. Damit kann man sich gut in die agrarhandelspolitische Ausgangslage dieses Landes versetzen, das am (sukzessiven) Abbau von Handelsschranken interessiert ist. Der Kontrast zur Schweizer Position (bitte nichts ändern) ist offensichtlich.

3 Antworten

  1. Garten Eden, interessanter Beitrag von Manuel Fischer!!!
  2. Inshallah, trotz der wirtschaftlichen Bedeutung des Agrarsektors (i. d. R. 12% bis 15% des BIP) verzeichnet er eine unterdurchschnittliche Wertschöpfung und leidet an einer strukturellen Schwäche. Die Regierung sieht die Chancen, die Marokko aufgrund seiner klimatischen Bedingungen und auch der Nähe zum europäischen Markt hat, nicht ausgeschöpft. Ledig- lich bei 20% der bewirtschafteten Fläche kann man von modernen Produktionsverfahren auf vorteilhaftem Terrain sprechen; die restlichen 80% sind kleine Betriebe, die traditionell arbeiten und mit ungünstigen Anbaubedingungen zu kämpfen haben. Der Wassermangel, die Fragmentierung des Landbesitzes (75% der Landbesitze sind unter 2 Hektar) und der Mangel an modernen Produktionsmethoden behindern eine effiziente Bewirtschaftung.
  3. Tönt spannend.

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