Rülpsende Fische

Voll daneben, die Redewendung: «Stumm wie ein Fisch». Anregend und überraschend war ein Vortrag eines passionierten Freizeitbiologen Roland Kurt am Fischforum an der Fachhochschule in Wädenswil (ZHAW). Der neugierige Zeitgenosse opfert nun seit einem Jahrzehnt viel Zeit seinem aussergewöhnlichen Hobby, der Bioakustik. Einem verblüfften Publikum führte er die ungewöhnlichen Laute von Fischen mit einem einfachen Tonwiedergabegerät vor. Man hörte einen Karpfen. Seine Rufe an die Kameraden tönen wie Wasser, das durch einen Siphon flutscht, gefolgt von Trommellauten in tiefer Frequenz. Welse glucksen und scheuchen so ihre Beutefische auf. Flussbarsche pfeifen und rülpsen im Chor und dies jeweils während 40 Sekunden. Ohrenbetäubendes Konzert! Die Schallausbreitung unter Wasser beträgt 1500 Meter pro Sekunde, so macht Rülpsen Spass. Bioakustiker Roland Kurt brachte auch eine Botschaft mit in den Hörsaal: Die meisten Süsswasserfische besitzen ein gutes Gehör. Da wir Menschen aber immer mehr Lärm unter Wasser erzeugen, stören wir die akustische Welt der Fische massiv. Die Geräusche rühren von den zahlreichen Motorbooten am Wochenende oder von lauten, wasserschlürfenden Pumpen am Seeufer her, um nur zwei Beispiele zu nennen. Fische fühlen sich davon gestresst, flüchten weg von der Lärmquelle und benötigen dazu viel Energie. «Fische brauchen eine Lärmschutzzone», ist Bioakustiker Kurt überzeugt. Als Zuhörer fragte man sich, inwiefern der Fisch ein intelligentes, kommunikatives Lebewesen ist und inwiefern eben nur ein Nutztier. ZHAW-Tagungsthema war das «Fischwohl» in der modernen Aquakultur. Hohe Anforderungen an die Wasserqualität, schärfere Umweltgesetze und der Fachkräftemangel versuchen die Teichwirte mit mehr Technik wettzumachen. Wer die Produktionsbedingungen im Griff hat, das Tierwohl nicht missachtet und dann auch noch mit Fischzucht Geld verdient, darf einen wohlverdienten Rülpser von sich lassen.

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