Die Kuh in der Sackgasse

In der historischen Rückschau hat die Schweizer Milchwirtschaft einen erstaunlich erfolgreichen Entwicklungsweg hinter sich. Der Erfolg hatte viele Faktoren, doch das zentrale Produktionsmittel war immer ein Tier, die Milchkuh.
Schier unglaublich ist die Zunahme der Milchleistung: Um 1900 wogen die meisten Tiere durchschnittlich um die 250 kg, wiesen eine Widerristhöhe von 120 cm auf und gaben selten mehr als 1500 bis 2000 Liter Milch pro Jahr. Die Kühe heutiger Hochleistungsrassen erreichen Höhen von 145 cm, Gewichte von bis zu 750 kg und bringen es auf eine durchschnittliche Milchleistung von gegen 7000 Liter im Jahr.
Die enorme Steigerung der Milchproduktivität pro trächtiges Tier ist insbesondere der Einführung genetischen Materials aus den USA zu verdanken. Nur zufällig gelangt etwas vom «tierischem Fortschritt» via TV-Reportage ins gemütliche Wohnzimmer. Als Steuerzahler reibt man sich die Augen: An Kuh-Miss-Wahlen werden schön hergerichtete Kühe von Preisrichtern bewertet und prämiert, wobei das pralle Euter zum Schönheitsideal gehört. Trotz strengeren Regeln soll es immer noch Tiere geben, die stundenlang ungemolken und tropfdicht mit verklebten Zitzen zur Schau gestellt werden.
Landwirte schielen auf Exemplare mit versprochenen Milchleistungen ab 10‘000 Liter im Jahr. Andererseits benötigen solche Supertiere teuer zugekauftes Kraftfutter (bis zu 35 Rp. pro Liter Milch) und ständige Tierarzt-Visiten im Stall. Klar ist, dass bei üblichen Milchpreisen die Rechnung nicht mehr aufgeht.
Forscher und engagierte junge Bauern der IG Neue Schweizer Kuh machen sich auf den Weg, kleinere, leichtere, beweglichere und gesündere Rinder zu züchten. Ein Weg voller Hürden, denn gleichzeitig unterstützt der Bund die bisherige Turbokuhzucht mittels Zuwendungen von 23 Mio. Franken an die traditionellen Rindviehzuchtverbände. Höchste Zeit, den TV-Sessel zu verlassen…..

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